115. Warkeldag des Schrieverkrings
Eine öffentliche Lesung im Heinrich-Kunst-Haus in Ofenerfeld war dem 115. Warkeldag des im Heimatbund für niederdeutsche Kultur „de Spieker“ organisierten Schrieverkrings am Vorabend vorausgegangen. Auf den Erhalt und die Pflege der niederdeutschen Literatur sowie die Nachwuchsförderung durch den Jugend-Schrieverkring richten die Autorinnen und Autoren um Albert Rüschenschmidt ihr Hauptaugenmerk.
Von den fast 50 dem Kring angehörenden niederdeutschen Schriftstellern aus dem Weser-Ems-Gebiet trafen sich 26 zu einer „Werkstattarbeit“ mit der anspruchsvollen Thematik: die Kurzgeschichte. Der modernen literarischen Form der Kurzprosa, bei der das Besondere in der starken Komprimierung des Inhaltes liegt und deren Information größtenteils durch Lesen zwischen den Zeilen erschlossen werden muss. Texte über die „höchste Freude bis hin zum tiefsten Leid“, so der in einer Landgemeinde im Münsterland lebende Rüschenschmidt, können in diesem Stil vorgetragen werden. Ein buntes Bild der niederdeutschen Sprache liefert auch das 2007 erschienene Buch „Spiegelsplitter — Speegelsplitter — Speigelsplitter“ mit seinen darin enthaltenen fast 200 Texten in den Mundarten aus acht Bundesländern. Es umfasst ebenfalls Textproben aus den Niederlanden, Ostpreußen und sogar einen Beitrag in der Sprache der aus den Täuferbewegungen der Reformationszeit hervorgegangenen Mennoniten. Nicht ohne Stolz weist Rüschenschmidt darauf hin, dass die Publikation auf mehr als 600 Seiten Farbklänge und Individualität der niederdeutschen Sprache präsentiert. Inzwischen erschien eine CD mit Textauszügen des Buches, um das Niederdeutsche auch als „gesprochenes Wort betrachten“ zu können. Zur Zeit arbeitet man an einer weiteren Ausgabe über den westfälischen Sprachraum. Dass die Kurzgeschichte als moderne Form der Prosa, nicht nur eine Thematik für ältere Autorinnen und Autoren ist, stellte die jüngste der „Schrieverslüe“, Nachwuchsschreiberin Leonie Grote aus Nuttel, bei der nicht öffentlichen Arbeitstagung des Krings eindrucksvoll und getreu dem Motto „in der Kürze liegt die Würze“ mit ihrem Text unter Beweis. — Wie erklärte einst der spanische Lyriker und Träger des Nobelpreises für Literatur Vicente Aleixandre y Merlos: „Eine Kurzgeschichte ist eine Geschichte, an der man sehr lange arbeiten muss, bis sie kurz ist.“
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