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15Nov/100

115. Warkeldag des Schrieverkrings

Eine öffent­li­che Lesung im Heinrich-Kunst-Haus in Ofen­er­feld war dem 115. War­keldag des im Hei­mat­bund für nie­der­deut­sche Kul­tur „de Spie­ker“ orga­ni­sier­ten Schrie­ver­k­rings am Vor­abend vor­aus­ge­gan­gen. Auf den Erhalt und die Pflege der nie­der­deut­schen Lite­ra­tur sowie die Nach­wuchs­för­de­rung durch den Jugend-Schrieverkring rich­ten die Auto­rin­nen und Auto­ren um Albert Rüschen­schmidt ihr Hauptaugenmerk.


Von den fast 50 dem Kring ange­hö­ren­den nie­der­deut­schen Schrift­stel­lern aus dem Weser-Ems-Gebiet tra­fen sich 26 zu einer „Werk­statt­ar­beit“ mit der anspruchs­vol­len The­ma­tik: die Kurz­ge­schichte. Der moder­nen lite­ra­ri­schen Form der Kurz­prosa, bei der das Beson­dere in der star­ken Kom­pri­mie­rung des Inhal­tes liegt und deren Infor­ma­tion größ­ten­teils durch Lesen zwi­schen den Zei­len erschlos­sen wer­den muss. Texte über die „höchste Freude bis hin zum tiefs­ten Leid“, so der in einer Land­ge­meinde im Müns­ter­land lebende Rüschen­schmidt, kön­nen in die­sem Stil vor­ge­tra­gen wer­den. Ein bun­tes Bild der nie­der­deut­schen Spra­che lie­fert auch das 2007 erschie­nene Buch „Spie­gel­split­ter — Spee­gel­split­ter — Spei­gel­split­ter“ mit sei­nen darin ent­hal­te­nen fast 200 Tex­ten in den Mund­ar­ten aus acht Bun­des­län­dern. Es umfasst eben­falls Text­pro­ben aus den Nie­der­lan­den, Ost­preu­ßen und sogar einen Bei­trag in der Spra­che der aus den Täu­fer­be­we­gun­gen der Refor­ma­ti­ons­zeit her­vor­ge­gan­ge­nen Men­no­ni­ten. Nicht ohne Stolz weist Rüschen­schmidt dar­auf hin, dass die Publi­ka­tion auf mehr als 600 Sei­ten Farb­klänge und Indi­vi­dua­li­tät der nie­der­deut­schen Spra­che prä­sen­tiert. Inzwi­schen erschien eine CD mit Text­aus­zü­gen des Buches, um das Nie­der­deut­sche auch als „gespro­che­nes Wort betrach­ten“ zu kön­nen. Zur Zeit arbei­tet man an einer wei­te­ren Aus­gabe über den west­fä­li­schen Sprach­raum. Dass die Kurz­ge­schichte als moderne Form der Prosa, nicht nur eine The­ma­tik für ältere Auto­rin­nen und Auto­ren ist, stellte die jüngste der „Schrie­vers­lüe“, Nach­wuchs­schrei­be­rin Leo­nie Grote aus Nut­tel, bei der nicht öffent­li­chen Arbeits­ta­gung des Krings ein­drucks­voll und getreu dem Motto „in der Kürze liegt die Würze“ mit ihrem Text unter Beweis. — Wie erklärte einst der spa­ni­sche Lyri­ker und Trä­ger des Nobel­prei­ses für Lite­ra­tur Vicente Aleix­andre y Mer­los: „Eine Kurz­ge­schichte ist eine Geschichte, an der man sehr lange arbei­ten muss, bis sie kurz ist.“

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