2. Bernsteinfest in Wiefelstede
Zu seinem 2. Bernsteinfest lädt der Zusammenschluss von Gewerbetreibenden aus der Gemeinde Wiefelstede (http://www.hhw-wiefelstede.de) am 5. und 6. Juli 2008 ein.
Mehr über den Bernstein, Tacitus und aus dem Leben der Germanen erfahren Sie hier:
Publius Cornelius Tacitus (geb. um 55, gest. nach 116), der, das sei erwähnt, nicht immer auf eine kritische Quellenforschung Wert legte, verfasste mit seiner “Germania” die erste umfassende ethnologische Arbeit über die Lebensweise der Germanen. Nicht unumstritten und gewiss auch als „Läster– und Schmähschrift“ zu sehen, gibt sie einen Einblick in den Alltag und das Brauchtum der Germanen (Anm.: Tacitus zufolge wurden anfangs alle rechtsrheinischen Stämme, besonders von den Galliern, als Germanen bezeichnet).
Er berichtet über den Bernstein und dessen Geschichte:
„Nördlich von den Suionen (Anm.: ein nordgermanischer Stamm in Schweden) liegt noch ein anderes Meer, träge und beinahe ohne Bewegung. Das dieses Meer den Erdkreis abrundet und abschließt, wird dadurch glaubhaft, dass der letzte Schein der bereits hinabgetauchten Sonne bis zum Sonnenaufgang in solcher Helligkeit anhält, dass er die Sterne überstrahlt; außerdem hört man den Klang der aufgehenden Sonne und sieht Umrisse von Pferden und das strahlenumkränzte Haupt (Anm.: des Sonnengottes). Nur bis dahin geht die Welt.
An der Ostküste bespült das suebische Meer die Stämme der Ästier (Anm.: die Baltischen Stämme in Germanien), die in Sitte und äußerer Erscheinung den Sueben (Anm.: germanische Stammesgruppe, die einst im Nordosten an der Ostsee bis zu den deutschen Mittelgebirgen lebte) gleichen, deren Sprache jedoch der britannischen näher steht. Sie verehren die Göttermutter (Anm.: Frigg bzw. Frija). Als Glaubenssymbol tragen sie Nachbildungen von Ebern: dies Zeichen macht den Verehrer der Göttin an Stelle von Waffen und als Schutz gegen alles, selbst inmitten von Feinden gefeit. Selten verwenden sie Eisenwaffen, häufiger schon Knüppel; Getreide und andere Feldfrüchte bauen sie mit größerer Ausdauer an, als es der üblichen Trägheit der Germanen entspricht.
Aber auch das Meer durchsuchen sie und sie sind die einzigen von allen Germanen, die den Bernstein, den sie selbst „glesum“ nennen, im Umkreis seichter Stellen und am Strande sammeln. Woraus er besteht oder wie er entsteht, das haben sie, wie es bei Barbaren nicht anders zu erwarten ist, weder zu wissen verlangt, noch in Erfahrung gebracht; ja, er lag sogar lange Zeit unbeachtet zwischen dem sonstigen Auswurf des Meeres, bis ihm unser Schmuckbedürfnis seine Bedeutung verlieh.
Sie selbst verwenden ihn überhaupt nicht: roh wird er aufgelesen, unverarbeitet in den Handel gebracht und staunend nehmen sie den Kaufpreis entgegen. Das es sich jedoch um Baumharz handelt, sieht man leicht, weil sehr oft allerlei auf der Erde kriechende und selbst herumfliegende kleine Tiere durch die Bernsteinmasse schimmern; sie verfingen sich in dem noch flüssigen Harz und sind nun, nachdem es sich zu festem Stoffe verhärtete, darin eingeschlossen. Ich möchte also meinen, dass ebenso wie in den entlegeneren Gegenden des Orients, wo Weihrauch und Balsam (Anm.: das Harz der Bäume) ausgeschieden werden, es auch auf den Inseln und in den Ländern des Okzidents besonders ergiebige Waldungen und Haine gibt, deren Absonderungen durch die Strahlen der benachbarten Sonne herausgezogen werden, in klarflüssigem Zustande in das nahe gelegene Meer rinnen und durch gewaltige Stürme an die gegenüberliegende Küste angeschwemmt werden. Prüft man den Bernstein auf seine Zusammensetzung, indem man ihn mit Feuer in Berührung bringt, dann brennt er wie Kienspan und ergibt eine qualmige und stark duftende Flamme; dann erstarrt er zu einer zähen pech– oder harzähnlichen Masse.“
(Quellen: Tacitus „Germania“, http://www.swantevit.de/ Jens Jahnke, 2004)