Des Teufels Verbündete
Der Bankdirektor und Volkskundler Peter Friedrich Ludwig Strackerjan (20.08.1825 Jever — 04.03.1881 Oldenburg) beschäftigte sich intensiv mit volkskundlichen und landesgeschichtlichen Themen. So legte er auch eine umfassende Sammlung an Kinderreimen, Rätseln, Sprichwörtern, Sagen und Drehorgelliedern an. Sein Hauptwerk ist die zweibändige Sammlung „Aberglaube und Sagen aus dem Herzogthum Oldenburg“.
Heute fand ich darin eine aus Wiefelstede überlieferte Sage.
„Einst jagte Graf Anton Günther auf dem Ammerlande und stieß auf einen Ostfriesen, der sich über die Grenze gewagt hatte, um sich als Wilddieb einen guten Tagelohn zu verdienen.
Entrüstet über die Frechheit befahl der Graf sofort seinem Wildmeister, dem Frevler eine Kugel bei den Ohren hinsausen zu lassen. Der Diener gehorchte. Aber statt fortzulaufen, wie erwartet wurde, drehte der Wilddieb sich langsam herum, legte an und schoß des Wildmeisters Pferde einen Zügel ab. Verwundert, aber schnell gefaßt, sprach jetzt der Graf „nu snyd den Slüngel man gau en Knoop ut´t Wamms“, und reichte dem Jäger seine eigene Büchse, die mit einer Freikugel (Anm.: die durch Zauber „frei“ gemachte (= geschützte) Kugel. In der Sage vom Teufel gegossen.) geladen war. Im Augenblicke flog von des Wildschützen Rocke ein Knopf so glatt weg, als wäre er abgeschnitten. Mit gegenseitigem Respect und in größter Ruhe entfernten sich dann beide Theile. (Wiefelstede)“
Ludwig Strackerjan, „Aberglaube und Sagen aus dem Herzogthum Oldenburg“, Erster Band, Oldenburg 1867, Zweiter Abschnitt „Des Teufels Verbündete“, Seite 282.