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16Mai/081

Radegunde. Eine thüringische Königstochter

RadegundeIm Jahre 1057 wurde die Kir­che in Wie­fels­tede errich­tet. Erz­bi­schof Adal­bert von Bre­men weihte sie dem Täu­fer Johan­nes und der frän­ki­schen Köni­gin Rade­gunde (Rade­gun­dis). Der Täu­fer Johan­nes, Sohn der Eli­sa­beth und des Zacha­rias, ist vie­len ent­spre­chend bekannt, aber wer war Radegunde?

Rade­gunde von Thü­rin­gen wird um 518/520 in Erfurt gebo­ren. Ihr Vater, König Ber­t­hachar (Ber­thar) von Thü­rin­gen, wurde im Bru­der­kampf getö­tet. Auch die Mut­ter ver­starb früh. Mit ihrem etwa zehn Jahre jün­ge­ren Bru­der wuchs Rade­gunde am Hofe ihres Onkels Her­men­e­fried (Irmin­fried), auf der Burg Seit­hungi (Burg­schei­dun­gen in Sachsen-Anhalt), auf. Her­men­e­fried, Sohn des Bisin und der Basina, besiegte und tötete sei­nen Bru­der Ber­t­hachar und rief dann den mero­win­gi­schen König Theu­de­rich I. gegen sei­nen Bru­der Bade­rich zu Hilfe. Er ver­sprach ihm des­sen hal­bes Reich. Die­ser Ver­pflich­tung kam er jedoch nicht nach und wurde dar­auf­hin 533 bei einem Besuch Theu­de­richs in Zül­pich von der Stadt­mauer gestürzt und getötet.

Ver­ant­wor­tungs­lose Macht­po­li­tik brachte dem Thü­rin­gi­schen Reich den Unter­gang. Das Land erlag den anstür­men­den Fran­ken und Sach­sen. Rade­gunde wurde eine Gefan­gene des Fran­ken­kö­nigs Chlo­thar I. Im Alter von 13 Jah­ren wur­den sie und ihr nament­lich nicht bekann­ter Bru­der von den Fran­ken nach Neu­s­trien (das Gebiet zwi­schen Schelde und Loire) auf das könig­li­che Land­gut Athies bei Péronne an der Somme verschleppt.

Die furcht­ba­ren Gescheh­nisse aus die­ser Zeit sollte sie nie ver­ges­sen. Als Gei­sel wird Rade­gunde am Hofe des Fran­ken­kö­nigs Chlo­thar erzo­gen und spä­ter, nach­dem des­sen Haupt­frau und vierte Gat­tin, Köni­gin Ingunde, vor 540 stirbt, sogar mit ihm in Athies (Artois) ver­hei­ra­tet. Als Chlo­thar I. um 550 als Ver­gel­tung für einen Auf­stand der Thü­rin­ger Rade­gun­des Bru­der ermor­det, flieht sie nach Noyon, trennt sich von dem Fran­ken­kö­nig und sucht den Schutz der Kir­che. Sie ver­zich­tet auf mög­li­che Rache und lässt sich von Bischof Medar­dus, der dem frän­ki­schen Adel ent­stammte, zur Dia­ko­nin wei­hen. Dies kam einer Schei­dung gleich.

Mit Hilfe des ihr auch nach der Tren­nung wei­ter­hin über­las­se­nen beträcht­li­chen Ver­mö­gens grün­dete sie in Saix (im Grenz­ge­biet zwi­schen Tou­raine und Poi­tou ) eine freie Gemein­schaft von Frauen und Mäd­chen zur Pflege Kran­ker und Not­lei­den­der. Die befes­tigte Anlage wurde vor den Toren Poi­tiers (im Nord­wes­ten von Frank­reich) gebaut und war eine der ers­ten Klos­ter­grün­dun­gen. Wer dem Klos­ter­le­ben bei­tre­ten wollte, hatte dies auf Lebens­zeit zu tun, musste auf sein Eigen­tum ver­zich­ten und nach strengs­ten Regeln leben.

Gegen­über Köni­gen und Wür­den­trä­gern nahm Ven­an­tius For­t­un­an­tus die Inter­es­sen des Klos­ters wahr. Das Klos­ter Sainte-Marie-hors-les-Murs, das heute noch besteht, erhielt spä­ter, als Rade­gunde von Kai­ser Jus­ti­nian eine Kreuz­re­li­quie erhielt, den Namen Sainte Croix.

Rade­gunde sorgte für die Ver­brei­tung des Chris­ten­tums. Sie opferte sich für den christ­li­chen Glau­ben auf und kämpfte für des­sen Stär­kung. Sie bemühte sich um ver­nach­läs­sigte Kin­der und Kranke und bat mit unter­schied­li­chem Erfolg um die Auf­he­bung von Todesurteilen.

Der wohl wich­tigste Zeuge die­ser geis­tes– und welt­ge­schicht­lich beweg­ten Zeit im 6. Jahr­hun­dert ist neben der Nonne Baudo­ni­via (auch: Vaudo­ni­via), der ita­lie­ni­sche Dich­ter und Pries­ter Ven­an­tius Hono­rius Cle­men­tia­nus For­t­u­na­tus, des­sen Bekannt­schaft Rade­gunde um 565 machte. Ihm gewährte sie freund­li­che Auf­nahme und er wurde ihr ein wert­vol­ler Rat­ge­ber und enger Vertrauter. Die Köni­gin und die Äbtis­sin Agnes, von der man glaubt, sie sei eine Adop­tiv­toch­ter Rade­gun­des, bedeu­te­ten für ihn Mut­ter und Schwes­ter. Der im Mit­tel­al­ter beliebte Schrei­ber Erz­bi­schof Hil­de­bert von Le Mans (auch: Hil­de­bert von Lavar­din bzw. Hil­de­bert von Tours) ver­fasste mehr als ein hal­bes Jahr­tau­send nach Rade­gun­des Tod aus den Auf­zeich­nun­gen des Ven­an­tius For­t­un­an­tus (nach 587) und der Baudo­ni­via (um 612) einen drit­ten cur­ri­cu­lum vitae.

In Nord­deutsch­land weiß man nur wenig über die thü­rin­gi­sche Königs­toch­ter. In Frank­reich, aber auch in Eng­land, Öster­reich und Süd­deutsch­land ver­ehrt man sie als Hei­lige. In Öster­reich sind Orte bei Graz (St. Rade­gund) und bei Linz nach ihr benannt.

Fast sieb­zig­jäh­rig starb Rade­gunde am 13. August 587. Gre­gor von Tours bestat­tete sie in der Krypta ihrer Klos­ter­kir­che (spä­ter Sainte Rade­gonde). Bei einer Öffnung des Gra­bes im Jahr 1012 soll der Leich­nam voll­stän­dig erhal­ten gewe­sen sein. 1562 wurde die Grab­stätte von Huge­not­ten auf­ge­bro­chen und geplün­dert, die Gebeine teil­weise verbrannt.

Einige „Kom­par­sen“ die­ser Lebens­ge­schichte in der Rei­hen­folge ihres „Auftritts“: 

Erz­bi­schof Adal­bert von Hamburg-Bremen
Um 1000 an der Saale gebo­ren. 16. März 1072 in Gos­lar gestor­ben, beige­setzt im Dom zu Bre­men, Sohn des Thü­rin­ger Gra­fen Fried­rich von Goseck. Zunächst Dom­herr, war seit 1032 Dom­propst in Hal­ber­stadt und gehörte unter Hein­rich III. viel­leicht auch der könig­li­chen Kapelle an. 1043 ernannte ihn der König zum Erz­bi­schof von Hamburg-Bremen.

Graf Fried­rich von Goseck (Fried­rich I.)
Pfalz­graf von Sach­sen (1038–1042)
Graf von Goseck
Graf von Mer­se­burg  
Jün­ge­rer Sohn des Pfalz­gra­fen Burchard I. von Sach­sen aus dem Hause Goseck und der Oda von Mer­se­burg, Toch­ter von Pfalz­graf Sieg­fried II.

Eli­sa­beth
Sie stammte aus dem Pries­ter­ge­schlecht Aarons und war ver­wandt mit Maria, der Mut­ter Jesu. Ver­hei­ra­tet mit dem Pries­ter Zacha­rias. Die Ehe war kin­der­los geblie­ben. Der Erz­en­gel Gabriel erschien ihrem Mann und pro­phe­zeite ihm einen Sohn (Luka­sevan­ge­lium 1, 5 — 20).

Zacha­rias
Er und seine Frau Eli­sa­beth leb­ten wohl in En Kerem bei Jeru­sa­lem. Er war Pries­ter am Tem­pel in Jeru­sa­lem, Im hohen Alter erschien ihm eines Tages der Erz­en­gel Gabriel und ver­hieß ihm die Geburt eines Sohnes.

Ber­t­hachar
Er war nach 500 zusam­men mit sei­nen Brü­dern Bal­de­rich und Irmin­fried (Her­men­e­fried) König von Thü­rin­gen. Eine Schwes­ter hieß Radegund/Radegunde (nach Pau­lus Dia­co­nus auch Rathe­cunda, Rani­cunda, Radi­cunda oder Rade­gunda). Sie war mit dem Lan­go­bar­den­kö­nig Wacho ver­hei­ra­tet.
Ber­t­hachar war einer von drei Söh­nen des Königs Bisi­nus und hatte mit sei­ner nament­lich nicht bekann­ten Frau eine Toch­ter namens Rade­gun­dis, die spä­ter vom Fran­ken­kö­nig Chlo­thar I. zur Hei­rat gezwun­gen wurde und meh­rere (min­des­tens zwei) eben­falls unbe­kannte Söhne hatte, dann ins Klos­ter ging und spä­ter hei­lig gespro­chen wurde.
Um 528/529 über­fiel Irmin­fried sei­nen Bru­der Ber­t­hachar auf des­sen Burg Isen­stein, tötete ihn und nahm Rade­gun­dis und ihren Bru­der gefan­gen. Neuere For­schun­gen gehen aller­dings davon aus, dass Ber­t­hachar bei einem ers­ten erfolg­lo­sen Inva­si­ons­ver­such der Fran­ken um 528/29 ums Leben gekom­men ist.

Her­men­e­fried (Her­mi­na­frid)
Ältes­ter Sohn des Königs Bisi­nius und der Menia. Her­mi­na­frid regierte bis 516 gemein­schaft­lich mit sei­nen Brü­dern Bal­de­rich und Ber­t­hachar, tötete auf Anstif­ten sei­ner herrsch­süch­ti­gen Gemah­lin Ber­t­hachar und ver­band sich gegen Bal­de­rich mit dem Franken-König Theu­de­rich I. Als Bal­de­rich 516 besiegt und gefal­len war und Her­men­e­frid sich wei­gerte, sei­nem Ver­spre­chen gemäß dem Franken-König die Hälfte des Lan­des abzu­tre­ten, zog die­ser gemein­sam mit sei­nem Bru­der Chlo­thar I. und den Sach­sen gegen ihn und schlug ihn 531 in der Nähe von Burg­schei­dun­gen an der Unstrut. Her­mi­na­frid zog sich in den süd­li­chen Teil sei­nes Rei­ches zurück und wurde 534 in Zül­pich bei Ver­hand­lun­gen ermordet.

Bisin (Bisi­nius)
König der Thü­rin­ger (* um 470 - † 510). Unter sei­ner Füh­rung strebte das Thüringer-Reich dem Höhe­punkt sei­ner Macht ent­ge­gen, die er durch ziel­ge­rich­tete Hei­rats­po­li­tik zu fes­ti­gen trach­tete. Seine Toch­ter Rade­gunde hei­ra­tete den Langobarden-König Wacho, sein Sohn Her­mi­na­frid die Nichte des Ostgoten-Königs Theo­de­rich. Seine Schwes­ter Basena war die Gat­tin des Franken-Königs Chil­de­rich I. und Mut­ter Chlod­wigs I. Bisi­nius teilte das Reich unter seine Söhne.

Theu­de­rich I.
Mero­win­gi­scher König. * vor 484 — † Ende 533. Der älteste Sohn Chlod­wigs I. aus einer vor­ehe­li­chen Ver­bin­dung teilte nach dem Tod des Vaters 511 das Reich mit sei­nen drei Halb­brü­dern und erhielt ein gutes Drit­tel der Fran­cia (den Nord­os­ten mit allen rechts­rhei­ni­schen Gebie­ten) sowie aus dem aqui­ta­ni­schen Block die Auver­gne und das Limou­sin — den weit­aus größ­ten Anteil; Resi­denz wurde Reims. Bereits 508 hatte er in Chlod­wigs Auf­trag einen Feld­zug in die Auver­gne unter­nom­men. Seine Expan­si­ons­in­ter­es­sen rich­te­ten sich auf Ger­ma­nien, wo er 531 mit Chlo­thar I. und säch­si­scher Unter­stüt­zung gegen die Thü­rin­ger zog (bedeu­ten­der Sieg an der Unstrut); der thü­rin­gi­sche König Her­mi­na­frid, 533 zum Besuch ein­ge­la­den, wurde in Zül­pich durch Sturz von der Stadt­mauer getö­tet. Theu­de­rich I. gewann die thü­rin­gi­schen Gebiete an Saale, Elbe und Main; die Erobe­run­gen nörd­lich der Unstrut über­ließ er den Sach­sen gegen Tri­but. Trotz mas­si­ven Drän­gens sei­ner Krie­ger betei­ligte er sich 532 nicht am bur­gun­di­schen Feld­zug sei­ner Brüder.

Ven­an­tius For­t­u­na­tus
Christlich-lateinischer Dich­ter, * um 530 in Tre­viso (Ober­ita­lien), † vor 610 in Poi­tiers. Er stu­dierte in Ravenna und unter­nahm 565 zum Dank für die Befrei­ung von einem Augen­lei­den eine Wall­fahrt zum Grab des hei­li­gen Mar­tin von Tours, die aber durch einen zwei­jäh­ri­gen Auf­ent­halt am Hof Sigi­berts von Aust­ra­sien unter­bro­chen wurde. 567 kam er nach Poitiers.

Chlo­thar I.
König der Fran­ken (* 511 — † 560/61). Jüngs­ter Sohn des Franken-Königs Chlod­wig I. und der Chro­de­childe von Burgund,

Ingunde
Köni­gin der Franken.

Medar­dus
Er war Mitte des 6. Jahr­hun­derts Bischof von Ver­man­dois, dann von Noyon und spä­ter von Tour­nai, von wo aus er Flan­dern mis­sio­nierte. Er starb in der zwei­ten Hälfte des 6. Jahr­hun­derts und wurde auf Geheiß des Königs im spä­ter nach ihm benann­ten Klos­ter Saint-Médard in Sois­sons nörd­lich von Paris begra­ben. Medar­dus war für seine Mild­tä­tig­keit bekannt und wurde hei­lig gesprochen.

Jus­ti­nian I., der Große
Eigent­lich Fla­vius Petrus Sab­ba­tius, (* 482 — † 565), römi­scher Kai­ser (527–565).

Gre­gor von Tours
Bischof, frän­ki­scher Geschichts­schrei­ber, * 30.11. 538 oder 539 in Averna, dem heu­ti­gen Clermont-Ferrand, † 17.11. 594 in Tours. — Gre­gor von Tours ent­stammte einem gallo­rö­mi­schen Sena­to­ren­ge­schlecht. Er ver­lor früh sei­nen Vater und wurde von dem Bru­der sei­nes Vaters, Gal­lus, Bischof von Cler­mont (546 bis 554), in christ­li­cher Fröm­mig­keit erzo­gen.
 

Meine Quel­len:
- „Ency­klo­pä­die der katho­li­schen Theo­lo­gie und ihrer Hilfs­wis­sen­schaf­ten“ von Hein­rich Joseph Wet­zer und Bene­dikt Welte. 1852.
- Ökume­ni­sches Hei­li­gen­le­xi­kon
- Baudo­ni­via: De Vita Sanc­tae Rade­gun­dis
- Ven­an­tius For­t­u­na­tus: Vita S. Rade­gun­dis
- Hil­de­bert von Le Mans, Vita Rade­gun­dis
http://www.mittelalter-genealogie.de 
http://www.stadtmuseum-erfurt.de 
http://www.muehlberg-online.de
http://www.mdr.de 
http://www.ceiberweiber.at 
http://pfarramt-muehlberg.de 
http://www.heiligenlegenden.de 
http://www.bbkl.de

 

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  1. Viel Arbeit habe ich in diese Seite inves­tiert. Meine Quel­len nannte ich. So, wie es sich gehört! Schade, dass sich andere „Nut­zer“ mei­nes Bei­tra­ges inkl. der Quel­len, auch nach freund­li­cher Auf­for­de­rung, nicht an die Spiel­re­geln halten.

    Ronald Stock


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