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21Jul/090

Wenn der Tag gekommen ist

GedenksteinEr liegt ein wenig ver­steckt zwi­schen den Rho­do­dend­ren vor dem Stabs­ge­bäude: ein Gedenk­stein mit der Auf­schrift „Unse­ren toten Kame­ra­den“. Im Novem­ber 1985 leg­ten hier erst­ma­lig Ver­tre­ter der Royal Air Force und der deut­schen Luft­waffe Kränze nie­der. Als Aus­druck guter gegen­sei­ti­ger Bezie­hun­gen sollte die­ses Zere­mo­ni­ell noch zu Zei­ten des Jagd­bom­ber­ge­schwa­ders 38 „Fries­land“ jähr­lich wie­der­holt werden.

Gedenkstein für drei PilotenEtwas abseits die­ses Gedenk­steins steht ein wei­te­rer, ca. 190 cm hoher und 40 cm brei­ter Stein mit den Namen dreier Pilo­ten: Haupt­mann Bär, Unter­of­fi­zier Riehs und Unter­of­fi­zier Mayer. Dar­un­ter fin­det sich jeweils das Datum ihrer Todes­tage. Mehr ver­rät diese nahezu unbe­merkte Gedenk­stätte nicht.

1943 vermisstWer waren diese drei Sol­da­ten? Inter­es­siert an ihrem Schick­sal begann ich meine Suche und konnte die fol­gende knappe Geschichte zusam­men­tra­gen. Ich nenne es in ers­ter Linie eine Erzäh­lung, denn gänz­lich auf­zei­gen oder lücken­los bewei­sen kann ich meine Aus­füh­run­gen nicht. Mir feh­len Doku­mente und daher ent­halte ich mich vager Ver­mu­tun­gen und undien­li­cher Interpretationen.

Hptm BärHaupt­mann Ernst Bär star­tete am 18. August 1943 zu einem Werk­statt­flug. Er war Ange­hö­ri­ger des Sta­bes des Jagd­ge­schwa­ders (JG) 11, das im April 1943 durch die Auf­tei­lung des Jagd­ge­schwa­ders 1 ent­stan­den war. Beide deut­schen Jagd­ge­schwa­der wur­den über­wie­gend zur Abwehr alli­ier­ter Bom­ber­an­griffe auf das dama­lige Reichs­ge­biet ein­ge­setzt. Bär flog an die­sem Tag eine Mes­ser­schmidt Bf 109, exakt das Modell Bf 109 G-6/Y, das als Füh­rungs­ma­schine für Staf­fel– und Grup­pen­füh­rer Ver­wen­dung fand. Bei Caro­li­nen­siel stürzte er aus unbe­kann­ter Ursa­che mit die­ser Maschine ab. Wei­tere Nach­for­schun­gen ver­lie­fen ergeb­nis­los. An der Absturz­stelle in Wan­g­er­land errich­tet man ein Holz­kreuz, das spä­ter sei­nen Platz auf dem Flie­ger­horst in Upje­ver fand.

Auch die Namen zweier wei­te­rer Pilo­ten, die von 1943 bis 1986 als ver­misst gal­ten, fan­den ihren Platz auf die­sem Kreuz in Upje­ver, das in der Folge durch einen Gedenk­stein ersetzt wurde.

Uffz RiehsEiner die­ser bei­den Flug­zeug­füh­rer war der Unter­of­fi­zier Georg Riehs. Als Ange­hö­ri­ger der 8./JG 1 war der am 17. Dezem­ber 1916 gebo­rene Riehs am 3. Novem­ber 1943 mit sei­ner Mes­ser­schmidt Bf 109 G-6 an einem Luft­kampf im Raum Emden betei­ligt. Seit die­sem Tag galt er als ver­misst. Allein acht Ange­hö­rige des III./JG 1 fie­len wäh­rend die­ses Luft­kamp­fes. Im Jahre 1986 wurde Riehs´ Leich­nam bei Neu­har­lin­ger­siel gebor­gen. Er war 1943 in sei­ner Maschine ums Leben gekommen.

Uffz MayerBereits am 4. Februar 1943 war Unter­of­fi­zier Rudolf Mayer, Ange­hö­ri­ger der 12./JG 1, im Luft­kampf  mit den wohl bekann­tes­ten ame­ri­ka­ni­schen Bom­bern des Zwei­ten Welt­krie­ges, B-17 Fly­ing Fort­ress,  östlich von Leer in einer Focke-Wulf Fw 190 A-4 ums Leben gekom­men. Die sei­ner­zeit ver­fasste „Ver­lust­mel­dung“ besagt, dass Mayer gemein­sam mit einer B-17, noch schie­ßend, zu Boden gegan­gen sei. Rudolf Mayer, gebo­ren am 1. Okto­ber 1921, wurde 1986 bei Stick­hau­sen, Samt­ge­meinde Jümme im Land­kreis Leer, aus sei­ner Maschine geborgen.

Die beiden Gedenksteine vor dem Stabsgebäude in UpjeverOhne das Anden­ken an die drei Flug­zeug­füh­rer schmä­lern zu wol­len, bleibt eine mei­ner Fra­gen offen: Warum wurde allein für sie anfangs ein Kreuz und spä­ter ein Gedenk­stein auf­ge­stellt? Meine Theo­rie, dass man ihrer, da sie als ver­misst gal­ten, auf diese Weise geden­ken wollte, erwies sich schnell als Irr­tum, denn ein­zig im Zeit­raum April bis Dezem­ber 1943 gal­ten 30 Flug­zeug­füh­rer der Jagd­ge­schwa­der 1 und 11 als vermisst.

Quel­len­an­ga­ben:
- „Jagd­ge­schwa­der 1 und 11 — Ein­satz in der Reichs­ver­tei­di­gung von 1939 bis 1945, Teil 1 bis 3“; Jochen Prien, Peter Rode­ike; struve-druck, Eutin.
- „Flie­ger­horst Upje­ver – Luft­waffe in Fries­land – Ver­such einer Doku­men­ta­tion 1936 – 1986“; Sybille Schnei­der; Meox-Druck GmbH, Mün­chen.
http://www.ostfriesischelandschaft.de
http://de.wikipedia.org

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